Kurzfassung
Über den Erweiterungsmarktplatz von Cursor wurden am 29. Oktober 2026 manipulierte Pakete der Claude-Code-Erweiterung für Windows und macOS verteilt. Laut Cursor versuchten die Versionen 2.1.312 und 2.1.313, eine dauerhafte SSH-Hintertür einzurichten, und übermittelten Informationen über Entwicklerrechner und Benutzer an einen Angreifer. Der Vorfall betrifft damit den Distributionsweg eines KI-Entwicklerwerkzeugs – nicht die Sicherheit des von einer KI erzeugten Codes.
Details
Cursor bestätigte die Bereitstellung der manipulierten Erweiterung für den Zeitraum vom 29. Oktober 2026, etwa 02:27 bis 13:35 Uhr pazifischer Zeit. Nach Angaben des Unternehmens wurden die schädlichen Pakete nicht von Anthropic entwickelt.
Der Schadcode hinterlegte einen vom Angreifer kontrollierten SSH-Schlüssel mit dem Kommentar „svc-telemetry“, versuchte den lokalen SSH-Dienst zu aktivieren und einen Reverse-SSH-Tunnel zu einem Angreiferserver aufzubauen. Für einen dauerhaften Betrieb nutzte er unter macOS einen LaunchAgent und unter Windows eine geplante Aufgabe beziehungsweise ein Startskript. Die Hintergrundskripte sollten den Verbindungsaufbau ungefähr alle 60 Sekunden erneut versuchen.
Zusätzlich sammelte und übermittelte die Malware unter anderem Hostname, Benutzername, Betriebssystem, konfigurierte Git-E-Mail-Adresse, öffentliche IP-Adresse und Namen von Umgebungsvariablen. Die Erfassung von Variablennamen ist dabei nicht mit einem belegten Abfluss ihrer Inhalte gleichzusetzen.
Laut Cursor verhinderten Fehler im Schadcode und fehlende Administratorrechte auf den meisten Windows- und macOS-Systemen die Aktivierung des SSH-Dienstes. Das bedeutet jedoch keine Entwarnung: SSH-Schlüssel und Persistenzmechanismen konnten trotzdem angelegt und Systeminformationen übertragen werden. Ob ein Fernzugriff tatsächlich gelang, muss für betroffene Rechner gesondert untersucht werden.
Cursor entfernte die manipulierten Pakete, schaltete den Marktplatz vorübergehend ab, überprüfte weitere Erweiterungen und rotierte eigene Zugriffsschlüssel. Nach Angaben des Unternehmens wurde auch der Angreiferserver gemeinsam mit dessen Hosting-Anbieter vom Netz genommen. Wie die manipulierten Pakete ursprünglich in den Marktplatz gelangten, erläutert der Sicherheitshinweis nicht abschließend.
Betroffen
- Bestätigt betroffen sind über den Cursor-VS-Code-Erweiterungsmarktplatz bereitgestellte Pakete von Anthropic.claude-code in den Versionen 2.1.312 und 2.1.313 für Windows und macOS.
- Cursor fordert insbesondere Nutzer zur Prüfung auf, die diese Pakete im genannten Zeitfenster am 29. Oktober 2026 installiert oder durch ein Update erhalten haben.
- Für andere Erweiterungen sowie die offizielle Distribution der Claude-Code-Erweiterung liegen laut Cursor keine Hinweise auf eine Betroffenheit vor. Die Versionsnummer allein belegt daher noch keine Kompromittierung; auch die Bezugsquelle ist entscheidend.
- Der Sicherheitshinweis enthält zwar auch Linux-bezogene Schadcode-Indikatoren, bestätigt aber keine Verteilung manipulierter Linux-Pakete.
- Eine abschließende Zahl tatsächlich kompromittierter Rechner oder bestätigter erfolgreicher Fernzugriffe nennt der hier verwendete Herstellerhinweis nicht.
Handlungsbedarf
Cursor veröffentlicht konkrete Prüf- und Bereinigungsschritte sowie Skripte für Windows und macOS. Für möglicherweise betroffene Systeme nennt der Hersteller folgende Maßnahmen:
- Installierte Erweiterungsversionen und Installationszeitpunkte prüfen und Endpunkt-, Netzwerk- sowie Erweiterungsinstallationsdaten mit den im Sicherheitshinweis veröffentlichten Kompromittierungsindikatoren abgleichen.
- Nach dem SSH-Schlüssel mit dem Kommentar „svc-telemetry“ suchen. Unter macOS betrifft dies insbesondere ~/.ssh/authorized_keys; unter Windows nennt Cursor zusätzlich C:\ProgramData\ssh\administrators_authorized_keys.
- Rechner isolieren, wenn Hinweise auf die Ausführung der Schadsoftware oder die Einrichtung der Hintertür vorliegen.
- Den unberechtigten SSH-Schlüssel, Persistenzmechanismen und laufende Tunnelprozesse entfernen. Cursor stellt dafür plattformspezifische Bereinigungsskripte im Sicherheitshinweis bereit und empfiehlt zu prüfen, ob ein Neuaufsetzen erforderlich ist.
- Von einem vertrauenswürdigen System aus Zugangsdaten und Sitzungen erneuern beziehungsweise widerrufen, auf die vom betroffenen Rechner aus zugegriffen werden konnte.
Eine Deinstallation der Erweiterung allein reicht laut Cursor möglicherweise nicht aus, weil eigenständige Persistenzskripte zurückbleiben können. Heise nennt Version 2.1.314 als bereinigte Fassung und empfiehlt mindestens diesen Versionsstand; ein Update ersetzt jedoch nicht die Untersuchung und Bereinigung eines bereits betroffenen Rechners.
Organisationsempfehlung: Unternehmen sollten Bezugsquellen, installierte Versionen und Updateverläufe ihrer Entwicklererweiterungen zentral nachvollziehbar dokumentieren. Diese Empfehlung ist eine eigene organisatorische Ableitung aus dem Vorfall und keine zusätzliche Herstellervorgabe.
Quelle
- Hauptquelle: Cursor: Sicherheitshinweis – schädliche Version von Anthropic.claude-code (2.1.312 und 2.1.313) im Cursor-VS-Code-Erweiterungsmarktplatz entdeckt, veröffentlicht am 29. Oktober 2026, aktualisiert am 30. Oktober 2026 um 11:30 Uhr pazifischer Zeit. Der Herstellerhinweis war für die Recherche abrufbar und enthält Kompromittierungsindikatoren sowie Prüf- und Bereinigungsschritte.
- Ergänzende Berichterstattung: Heise: Claude-Code-Erweiterung im Cursor-Marktplatz mit Malware infiziert, veröffentlicht am 30. Oktober 2026 um 14:08 Uhr.